Offene Fragen & eine Schule fürs Leben
Ein 18-Jähriger über Bildung, Gefühle und die Kraft der Leere
In der neuesten Folge von DALíES SALON erfahren wir von der Wirkung einer Schule, die jungen Menschen ermöglicht, sich selbst zu begegnen. Jonas Escorcia Braun hat in der von Krishnamurti gegründeten Brockwood Park School genau so etwas erlebt und erzählt im DALÍES SALON, wie das seinen Blick aufs Leben verändert hat
Manche Gespräche wirken lange nach. Diesmal begegnet Daniela Liebig dem zu dem Zeitpunkt gerade 18 gewordenen Jonas. In Jonas lernen wir einen jungen Menschen kennen, der einen wertvollen Schatz in seinem Herzen trägt. Er hat eine Form von Bildung und Lernen erfahren, die ihm vermittelt hat, was wirklich trägt: Vertrauen in sich selbst und ins Dasein. Dieses Gespräch führt somit mitten ins Zentrum der “ZUKUNFTSWERKSTATT – Wie wollen wir leben?” und schenkt weite Inspiration.
Jonas’ Weg beginnt mit dem einzigen Ziel, Fußballprofi zu werden. Bis ihm klar wurde, dass andere besser waren und sein Traum nicht in Reichweite lag. Als die Motivation wegfiel, kam darunter etwas zum Vorschein, das er nicht mehr überspielen konnte: Orientierungslosigkeit und eine Depression. „Alles, was ich dachte, was ich bin, war auf einmal in Scherben zerbrochen, und darunter war gar nichts mehr da.”
Der Wendepunkt kam mit Brockwood Park School, einem Internat nahe London, gegründet vom Philosophen und Pädagogen Jiddu Krishnamurti. Eine Schule, die nicht reproduzierbares Wissen vermittelt, sondern Menschen dabei begleitet, sich selbst kennenzulernen. Kein Handy, dafür Wald, weite Landschaft und Lehrer, die aus echter Leidenschaft dort sind. Vor allem aber: ein anderer Umgang mit dem Lernen. Statt fertige Antworten zu liefern, wurden Fragen gestellt … und offen gelassen. Was ist Frieden? Was ist Konflikt? Was sind Emotionen? Jonas verstand mit der Zeit, dass eine Frage auch monatelang arbeiten darf, bis es „klickt” – und dass Lernen genau dort aufhört, wo man glaubt, schon alles zu wissen.
Jonas ́ Erfahrungen berühren die Möglichkeiten einer alternativen Bildung und damit auch ein Thema, das Daniela Liebig besonders am Herzen liegt. In ihrer psychotherapeutischen Praxis begleitet sie Menschen jeden Alters, darunter auch viele Kinder und Jugendliche, und erlebt immer wieder, wie sehr schulischer Wettbewerb und Leistungsdruck belasten können. Jonas’ Weg dagegen zeigt, dass Lernen und Schule echte Selbstbegegnung ermöglichen können. Jonas erfuhr in der Schulzeit die Art von innerem Wachstum, für die junge Menschen sonst oft erst dann einen Raum finden, wenn sie schon in Not geraten sind.
Man beginnt zu ahnen, was möglich wäre, wenn schulische Bildung eine andere Form annähme und wie viel Leid vielleicht dadurch gar nicht erst entstünde. Zudem wird in diesem Gespräch deutlich, wodurch das ermöglicht werden kann: Neugier wecken, Fragen lebendig werden lassen und den jungen Menschen in seinem Wesen sehen.
Auch der Umgang mit Gefühlen ist für Jonas seit Brockwood ein zentrales Thema. Heute, sagt Jonas, könne er seine Gefühle beobachten, statt gegen sie zu kämpfen und traurig sein, ohne in der Traurigkeit unterzugehen.
Besonders berührend ist Jonas ́ Beschreibung, wie aus seiner inneren Leere etwas Schöpferisches wachsen konnte. Weil er den Schmerz nicht mehr überspielen konnte, blieb ihm nur, ihn wahrzunehmen und daraus entstanden Schreiben, Musik, Poesie. Er vergleicht diesen Prozess mit einer Blume, die erst blüht, wenn der Regen kommt. „Man sagt ja, von nichts kommt nichts. Aber ich glaube, in dem Fall ist von nichts doch was gekommen.”
Jonas empfiehlt, sich täglich zehn Minuten hinzusetzen und einfach wahrzunehmen – die Gedanken, die Gefühle, das, was man hört und sieht. Nichts tun, nur da sein. Das, sagt er, sei „die pureste Form vom Sein”. Dieses Gespräch entstand bereits ein Jahr vor dieser Ausstrahlung, kurz nach Jonas’ 18. Geburtstag und bleibt weiter aktuell.
Wir wünschen Dir ganz viel Freude dabei!!!!
Hier geht es zur Folge in DALíES SALON: Premiere Sonntag, 19.30 Uhr